Bílá Voda (Weißwasser)
Bila Voda, ein Dorf am Fluß Kamienica, liegt unweit der tschechisch-polnischen Grenze. Gegründet wurde es Mitte des 13. Jhdt. Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde Bila Voda 1532. Der aus dem auf polnischer Seite nahe gelegenem
Dorf Doboszowice (Hertwigswalde) stammende Jakob Ernst von Lichtenstein,
der spätere Bischof von Olomuc (Olmütz) und Primas der Deutschen Kirche, stiftete in Bila Voda ein Piaristenkloster.
Die Klosterschule gehörte seinerzeit zu den besten Lehranstalten Schlesiens. 1748 wurde der Ort geteilt in einen dörflichen und städtischen Teil. Diese Maßnahme hing zusammen mit dem Ende
des Ersten Schlesischen Krieges zwischen Preußen und Österreich. Durch den Ort verlief nach dem Krieg die Grenze zwischen Preußisch-Schlesien und Habsburgisch-Schlesien; die hoch gelegenen Ortsteile samt Kirche und Kloster fielen an Österreich, die unteren Ortsteile wurden
an Preußen angeschlossen.


Sehenswürdigkeiten:
Im heutigen Bila Voda ist das ehemalige Piaristenkloster sehenswert. Dazu zählt die barocke Mariä-Heimsuchung-Kirche mit einer reichen Innenausstattung. Besonders interessant ist
der Hauptaltar der Kirche; er beinhaltet eine Skulptur Marias von 1510, sie stammt wahrscheinlich aus der Werkstatt von Veit Stoß. Mit der Kirche verbunden ist das ehemalige, zweistöckige, barocke Klostergebäude, das zwei Innenhöfe umrandet. In der Nähe des ehem. Klosters befinden sich im Barockstil gehaltene Häuser des Konvents. Besichtigen sollte man auch den 1690
im Auftrag von Jakob Ernst von Lichtenstein erbauten Palast im oberen Teil von Bila Voda.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Palast im neogotischen Stil umgebaut
um ihn den Bedürfnissen der Fürstin Marianne von Oranien anzupassen, die hier verweilte
um den Bau ihres Palastes in Kamieniec Z±bkowicki (Kamenz), heute auf der polnischen Seite,
zu beaufsichtigen. In dem Park, der den Palast umgibt, befinden sich einige barocke Skulpturen. Heute befindet sich in dem Palast eine psychiatrische Klinik. Auf dem Friedhof von Bila Voda findet man ein Massengrab der Opfer des sog. "Todesmarsches" vor. Hier sind Menschen beerdigt,
die im Februar 1945 das KZ Auschwitz verlassen mussten und von den Nazis in tagelangen Märschen gen Süden getrieben wurden. In der Dorfmitte befindet sich ein kleiner Granzübergang nach Polen. Von Bila Voda aus gelangt man über zwei Wanderwege (grün und rot) und einen Radweg nach Javornik.