DAS ANDENKEN BEWAHREN

In den Bergen um Z³oty Stok (Reichenstein) gibt es Gold- und Arsenvorkommen. Urkunden belegen, dass diese Erze bereits im 13. Jhdt. hier abgebaut wurden. Das Gold schmolz man aus dem erzhaltigen Fels in einem vielschichtigen, metallurgischen Prozess heraus. Der Bergbau erlebte seine Blüte in dieser Region in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts; die letzte Goldmine wurde erst 1961 stillgelegt. Überall in der Gegend hier finden sich sichtbare Spuren der Erzförderung: alte Stolleneingänge und trichterförmige Schachtlöcher im Boden; an Stellen, an denen die Erzhütten standen, findet man stein- und schlackehaltige Halden. Manche der Stollen sind zur Besichtigung freigegeben. Die "Z³ota ¦cie¿ka" ("Goldener Pfad"), den Sie nun betreten, führt entlang der Spuren des hiesigen Bergbaus. Die ersten Goldnuggets in dieser Region fand man im Wasser des "Z³oty Potok" ("Goldbach"). Folgt man dem Wasserlauf trifft man auf Halden, die aus Schlacke aufgeschüttet wurden diese sind Spuren der neuzeitlichen Erzverhüttung. Die goldträchtigen Erzadern befinden sich zu beiden Seiten des "Goldbachs" in den steilen Wänden der Schlucht, die "Z³oty Jar" ("Goldcanyon") genannt wird; man findet die Goldadern auch in dem nachbarschaftlich gelegenen Taleinschnitt, in dem sogenannten "W±wóz K³odzki" ("Glatzer Schlucht"). Der Wanderpfad verbindet beide Taleinschnitte und führt Sie dann in die Stadt Z³oty Stok, die ihre Entstehung und Entwicklung dem Bergbau verdankt.
zoom - - Verteilung der Goldadern und ihrer Abbaustellen

Als der Bergbau im 16. Jhdt. in Z³oty Stok aufblühte, wurde die Stadt zum wichtigsten Goldabbauort in Schlesien und zu einem der bedeutendsten europaweit. In den Jahren 1530-1560 gewann man in den Hütten an einem Arbeitstag ca. 0,5 kg Gold, dazu mussten an die 60 Wagenladungen Erz geschmolzen und ca. 60 m3 Holzkohle verfeuert werden. Im ganzen 16. Jhdt. wurden in Z³oty Stok an die 7 Tonnen Gold produziert, 900.000 Tonnen des goldträchtigen Erzes mussten dafür abgebaut werden. 1,5 Millionen m3 Holz fielen der Axt zum Opfer, das sind ca. 5.000 ha Wald, um die Bedürfnisse der Bergwerke und Erzhütten stillen zu können. Auch die Halden wuchsen: an die 600.000 Tonnen Erzabfälle und ca. 130.000 Tonnen Schlacke mussten entsorgt werden.

Die örtliche Münzprägestätte erreichte Schlesienweit die größte Zahl an hergestellten Münzen.
Heute befinden sich diese in vielen privaten, numismatischen Sammlungen. Sie werden auch oft bei Auktionen angeboten, wo sie immer noch recht hohe Verkaufspreise erzielen.


Diese schöne, goldene Münze stammt aus der alten Prägestätte von Z³oty Stok. Bei einer Auktion im niedersächsischen Osnabrück fand sie einen neuen Besitzer für sage und schreibe
40.000 EUR.

10 Dukaten, Prägejahr: 1617, Gewicht: 34,67 g, Durchmesser: 42 mm. Avers: Porträt der Piasten Johannes Christian und Georg Rudolf, den Herzögen von Legnica-Brzeg (Liegnitz-Brieg). Revers: das Wappen des Herzogtums Legnica-Brzeg.

Auf der "Z³ota ¦cie¿ka“ ("Goldener Wanderpfad“) befinden sich insgesamt 11 Schautafeln die die örtliche Bergbau- und Hüttentätigkeit sowie das Münzprägewesen erklären und ihre Auswirkungen auf die Umwelt und die stadtgeschichtliche Entwicklung von Z³oty Stok darstellen. An einigen Stellen des Pfads befinden sich Aussichtspunkte, von denen man die schöne Aussicht auf die hiesige Gegend bewundern kann. Die Stiche, Bilder und Miniaturen, die auf den Tafeln zu finden sind, stammen nicht direkt aus Z³oty Stok. Sie wurden zumeist von deutschen Künstlern und Handwerkern im 16. Jhdt. angefertigt. Diese Darstellungen zeigen und erklären Methoden, Arbeitsvorgänge und geräte des neuzeitlichen Bergbaus, die in Sachsen, Böhmen und Österreich zum Einsatz kamen. Aus diesen Bergbauregionen kamen die Fachleute nach Z³oty Stok, als das Erz hier abgebaut werden sollte; und sie brachten das Wissen und die Fertigkeiten mit zu uns, die die Stiche und Bilder zeigen.

DIE GEWINNUNG VON ARSENIK

Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts gewann man aus dem goldträchtigen Erz seinen zweiten Bestandteil das Arsen. Dieses nutzte man zur Herstellung von Arsenik. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Gold zu einem Nebenprodukt der Arsenikgewinnung. Ihren größten Umfang erreichte die Arsenikproduktion im 20. Jhdt. Um 1910 stellte man in Z³oty Stok an die 2.400 Tonnen Arsenik jährlich her, das kam 20% der weltweiten, jährlichen Arsenikproduktion gleich. Insgesamt wurden, bis zur Stilllegung der Bergwerke, an die 120.000 Tonnen Arsenik in Z³oty Stok produziert; über 1 Million Tonnen Erz mussten dafür gefördert und verarbeitet werden.


Erste Arsenikhütte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf einem Stich von Werner.

Die in Z³oty Stok verwendeten Methoden der Arsenverarbeitung wurden europaweit mustergültig. Aus den Erzabfällen, die bei der Arsenikproduktion anfielen, gewann man über eine metallurgische Methode Gold. Dieses Verfahren wurde weiter entwickelt, so schöpfte man das Gold später mit der sog. Amalgamat-Methode aus den Erzabfällen, ab 1851 bis zur Stilllegung 1961 verwendete man die Chlorid-Methode. Das Chlorid-Verfahren, welches durch Platner erfunden wurde, war weltweit einzigartig.

Arsenikhütte, erbaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts, auf Bildern von 1933.
Ein Bild von 1933; darauf ein Gebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts, in dem bis 1962 Gold aus den Erzabfällen der Arsenikproduktion gewonnen wurde.

Die Stadt Z³oty Stok entstand durch den Bergbau, ihr Schicksal hing für mehrere hundert Jahre daran. Mittlerweile sind seit der Stilllegung der letzten Bergwerke über 40 Jahre vergangen. Das Museum "Kopalnia Z³ota" ("Goldbergwerk"), das sich in einem alten Bergwerk befindet, bewahrt die Bergbautraditionen dieser Region. Die "Z³ota ¦cie¿ka" führt entlang der alten Bergbaustätten, deren Andenken wir bewahren möchten. Ein Spaziergang auf dem Pfad wird Ihnen sowohl das Wissen um die Bergbaugeschichte dieser Gegend vermitteln als auch viel Freude bereiten an der erlebten Nähe zur Natur und den schönen, sich bietenden Aussichten.